Gesundheitswirtschaft
Gesundheitswirtschaft kann als ein Sammelbegriff für alle Wirtschaftszweige verstanden werden, die etwas mit Gesundheit zu tun habenA. J. W. Goldschmidt AJW: Leading the Global Game - M&A between Competitiveness and Conflicts. Vortrag als „guest speaker“ mit Round Table-Diskussion am Beispiel „health economy and logistics“ bzw. „Gesundheitswirtschaft und Logistik“ anlässlich des 9. Symposiums des Organisationsforums Wirtschaftskongress e.V. am 8. März 2002 in den Räumlichkeiten der Fachhochschule Köln, wobei diese Interpretation aus dem Jahr 2002 allerdings wegen der Überschneidungen mit anderen Branchen sehr großzügig bemessen seiA. J. W. Goldschmidt: Absatz „Unternehmensbedeutung“ in: Krankenhausmanagement mit Zukunft?. In: A. J. W. Goldschmidt, J. Hilbert (Hrsg.): Krankenhausmanagement mit Zukunft - Orientierungswissen und Anregungen von Experten. kma Medien in Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2011, (ISBN 978-3-13- 161231-1): S. 4.. Eine anschauliche Gliederung der Gesundheitswirtschaft in drei Bereiche bietet ein „Zwiebelmodell der Gesundheitswirtschaft“ vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen: Kernbereich sei die stationäre sowie ambulante Akutversorgung und Altenhilfe sowie die Gesundheitsverwaltung. Darum gruppiere sich der Vorleistungs- und Zuliefererbereich mit Pharmaindustrie, Medizintechnik, Gesundheitshandel, Großhandel mit medizinischen Produkten. Als gesundheitsrelevante Randbereiche folgten etwa der Fitness- und Wellnessbereich, das betreute Wohnen oder der GesundheitstourismusE. Dahlbeck, J. Hilbert: Beschäftigungstrends in der Gesundheitswirtschaft im regionalen Vergleich. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 06/2008 → www.iat.eu/forschung-aktuell/2008/fa2008-06.pdf.
Einordnung
Ein fast völlig regulierter Gesundheitsmarkt wie in Großbritannien sei nach diesen Grundgedanken genauso wenig zielführend, wie ein weitgehend deregulierter Markt wie in den U.S.A.. Beide würden zu Lücken in der nachhaltigen und flächendeckenden Patientenversorgung führen. Nur eine Mischform aus sozial ausgewogenen aber auch marktwirtschaftlichen bzw. wettbewerbsorientierten Rahmenbedingungen schaffe ein diesbezügliches OptimumA. J. W. Goldschmidt, J. Hilbert: Von der Last zur Chance – Der Paradigmenwechsel vom Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft. In: A. J. W. Goldschmidt, J. Hilbert (Hrsg.): Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Die Zukunftsbranche. Band 1 der Schriftenreihe: Gesundheitswirtschaft und Management. kma-Reader - Die Bibliothek für Manager. Wikom-Verlag (Thieme), Wegscheid, 2009 (ISBN 978-3-9812646-0-9): S. 20-40. Bei der 1. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft wurde daher 2005 formuliert, Gesundheitswirtschaft umfasse die Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienenH. Klinkmann: Ergebnisbericht "Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2005": S. 7 → http://www.gw.bcv.org/hosting/bcv/website.nsf/urlnames/gw_conference_DE?OpenDocument&mn=3#1.%20Nationale%20Branchenkonferenz%20Gesundheitswirtschaft → Ergebnisbericht 2005. Während der Begriff Gesundheitswesen eher als Beschreibung des äußerst komplexen Gesundheitssystems unserer Krankenversorgung dient, umfasst die Gesundheitswirtschaft als Ganzes also nicht nur die überwiegend öffentlich finanzierte und staatlich reglementierte stationäre und ambulante Versorgung Kranker, die wirtschaftlich betrachtet weniger als die Hälfte des gesamten Gesundheitsmarktes dieser Branche ausmachtA. J. W. Goldschmidt: Der „Markt“ Gesundheitswesen. In: M. Beck, A. J. W. Goldschmidt, A. Greulich, M. Kalbitzer, R. Schmidt, G. Thiele (Hrsg.): Management Handbuch DRGs, Hüthig / Economica, Heidelberg, 1. Auflage 2003 (ISBN 3-87081-300-8): S. C3720/1-24, mit 2 Überarbeitungen/Ergänzungslieferungen bis 2010. Dazu gehören neben Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen auch die medizinische Versorgung in Haus- und Facharztpraxen, die pharmazeutische Industrie, Medizintechnik, Gesundheitstourismus, Wellness sowie die Fitnessbranche.
Bedeutung in Deutschland
Die Gesundheitswirtschaft ist einer der größten Teilbereiche der deutschen Volkswirtschaft. Insgesamt 4,4 Millionen Menschen arbeiten hierinStatistisches Bundesamt: Beschäftigung in der Gesundheitswirtschaft steigt weiter an. Pressemitteilung Nr. 490, Berlin, 17.12.2008. Damit ist beim Stand von 2007/2008 mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in Deutschland in diesem Bereich angesiedelt. Diese Zahl ist im Zunehmen begriffen. Die Kräfte des Gesundheitsmarktes unterliegen jedoch einer betont staatlichen Regulierung mit einer Vielzahl von Novellierungen bzw. Gesundheitsreformen auf gesetzgeberischer Ebene v. a. im Sozialgesetzbuch in den letzten 30 Jahren.
Im Jahr 2009 wurden 278 Milliarden Euro für Gesundheit, medizinische Vorsorge und Heilung ausgegeben, was einem Anteil von 11,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahres entsprichtStatistisches Bundesamt Deutschland, Wiesbaden, 2011 → http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Grafiken/Gesundheit/Diagramme/AnteilBIP,templateId=renderPrint.psml. Somit ist in dieser Hinsicht der Gesundheitssektor bedeutender als beispielsweise die Automobilindustrie mit 1,1 Millionen Arbeitsplätzen (inklusive der Zulieferer) und einem Anteil von 9,7 Prozent des BIP[http://www.bvmed.de/Extras/FAQ/article/Wie_gross_ist_der_Markt_in_Deutschland.html Information des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V. ]. Aufgrund der wachsenden Bedeutung in Deutschland möchte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) die Gesundheitswirtschaft in einem eigenen „Gesundheitssatellitenkonto“ (GSK) innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sichtbar in allen gesundheitsbezogenen Bereichen darstellenK.-D. Henke et al: Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland. BMWi, Berlin, 2009http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=320754.html.
Bedeutung in Österreich
Die privaten und öffentlichen Ausgaben für Gesundheit betragen in Österreich etwas mehr als zehn Prozent (2007: 10,1 Prozent) des Bruttoinlandsproduktes.[http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsausgaben/019701.html Angaben der Statistik Austria ], abgerufen am 25. Februar 2010 Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung prognostiziert dem Gesundheitswesen einen Beschäftigungszuwachs von 2,4 Prozent pro Jahr. Für 2010 werden 324.000 unselbstständig Beschäftigte im Gesundheitswesen erwartet.[http://www.wirmachengesundheit.at/ Angaben der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich] , abgerufen am 25. Februar 2010 Bis 2020 wird eine Steigerung des Marktvolumens auf 67,8 Milliarden Euro vorausgesagt.[http://www.rolandberger.at/media/pdf/Roland_Berger_Zukunftsmarkt_Gesundheitsmarkt_20090825.pdf Studie von Roland Berger Strategy Consultants, S. 6] , abgerufen am 25. Februar 2010
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